[update] taz.de: Die Freude am Tabubruch - Warum sich die Pädophilen als Teil des linksalternativen Milieus ausgeben konnten
11.06.2013
Drei Gründe für eine Emanzipation der Pädophilie in den 1980er Jahren: Repression, freie Sexualität und Tabubruch waren die zentralen Dimensionen des Selbstverständnisses bei den Linksalternativen
"Die Tageszeitung(taz)" widmet sich in der Print- und Onlineausgabe erneut der Pädophilie-Debatte aus den 1980er Jahren. Prof. Dr. Sven Reichardt von der Universität Konstanz hält einen historischen Rückblick, der dem damaligen Zeitgeist sehr nahe kommt. Dem taz-Journalisten Olaf Stüben & dem offenen Päderasten Peter Schult standen die Feministinnen der Zeitschrift "EMMA" mit Alice Schwarzer gegenüber. Die DSAP e. V. mit Sitz in Krefeld gab die Zeitschrift "betrifft Beziehung" heraus. Zur gleichen Zeit agierte die SchwuP bei Landesparteitagen der GRÜNEN in Nordrhein-Westfalen und der Alternativen Liste(AL) in Berlin. Im Münchener Stadtmagazin "Blatt", in der Nürnberger Zeitschrift "Rosa Flieder und im Frankfurter Magazin "Pflasterstrand" erschienen Pro-Pädophile-Artikel. Es gab darüber hinaus einen breiten Konsens in der Sexualwissenschaft zur Legalisierung einvernehmlicher Pädosexualität....
Zitate Als die Frankfurter Spontis 1977 ein Teach-in zur Pädophilie initiierten, kamen rund 800 Teilnehmer und stritten heftig über Grenzen und Sinn sexueller Libertinage. Der anwesende Schult warf der Frauenbewegung vor, sie würde Pädophilie pathologisieren und Pädosexualität mit Vergewaltigung verwechseln. Aktivisten der Pädophilenbewegung wie Olaf Stüben lästerten 1979 in der taz über die "moralinsaueren Typen", die eine Grenze zwischen erwachsener und kindlicher Sexualität ziehen wollten, die doch nur eine "Erfindung des Bürgertums im Frühkapitalismus" sei. Widerstand gegen solche Positionen gab es von feministischer Seite. Alice Schwarzer schrieb 1980 in der Emma: "Ich halte Pädophile nicht für eine zu befreiende verkannte Minderheit, sondern für das willkommene Sprachrohr einer Männergesellschaft, die es schon immer gut verstanden hat, ungleiche Beziehungen als, gleich zu propagieren."
Ihre eigenen Neigungen thematisierten die Pädophilen nur selten. Stattdessen hieß es oft, man gehe nur auf die Wünsche der Kinder ein. So schrieb um die Jahreswende 1977/78 ein Pflasterstrand-Autor: "Wir tun Kindern ja Gewalt an, wenn wir auf ihre sexuellen Bedürfnisse nicht eingehen." Auch in betrifft Beziehung, der Zeitschrift der linksgerichteten Deutschen Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie e. V., war immer wieder vom angeblichen Verlangen der Kinder die Rede. Es sei ihr Menschenrecht, auch mit Erwachsenen sexuelle Handlungen begehen zu dürfen: "Wenn sich nun der Erwachsene zärtlichen, erotischen und schließlich auch sexuellen Wünschen des Kindes entzieht: IST DAS KEINE GEWALT?"
Frankfurter Allgemeine Zeitung(FAZ) - Politik: GRÜNE - Ein Triumph der Päderasten + Turbulenzen auf Sonderparteitag in der Bad Godesberger Stadthalle mit Stadtindianern - vom 20.05.2013 Pädophilie GESTERN & HEUTE: Die frühere Pädophilenbewegung der 1970er, 1980er und 1990er Jahre geht weit über den internen GRÜNEN-Aktivismus hinaus und ist nicht mit der heutigen Pädophilenszene vergleichbar
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung(FAZ) greift die frühere Pädophilenwegung innerhalb der GRÜNEN in den 1980er Jahren erneut auf. Es wird von damaligen Parteitagen in Dortmund, Lüdenscheid, Marl und Bad Godesberg berichtet. Die Nürnberger Stadtindianer waren angereist und forderten ganz offensiv mit einigen Kindern die Legalisierung von einvernehmlicher Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern. Das Spektrum dieser Emanzipationsbewegung ging jedoch weit über die politischen Aktivitäten innerhalb der GRÜNEN hinaus: Die Deutsche Studien und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie(DSAP e.V. mit Sitz in Krefeld) wurde gegründet. Aus den Niederlanden kommend entstand eine Pädophilenbewegung, die heute ihres Gleichen sucht. Die heutige Pädophilenszene kann nur dann daran anknüpfen, wenn es gelingt sich politisch zu organisieren und auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu kämpfen. Davon sind die Pädophilen & Pädosexuellen jedoch noch Lichtjahre entfernt. Die Aufarbeitung der 1970er, 1980er und 1990er Jahre ist aber ein Lichtblick, woran sich auch viele frühere und heutige Betroffene beteiligen sollten.... http://krumme13.org/news.php?s=read&id=2517
u.v.a.m...
geschrieben
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Kommentare
Leserbrief/Reaktion
von K13online am 11.06.2013
Leserbrief an die taz und Reaktion direkt an den Verfasser des Artikels
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Reichardt,
gerade habe ich Ihren Artikel in der TAZ: Die Freude am Tabubruch - gelesen. Doch gerade frage ich mich, was ist eigentlich die Textbotschaft ihres Artikels? Können sich die sogenannten Pädophilen nicht als Teil des linksalternativen Milieus ausgeben?
Als Gründungsmitglied der Partei Die Grünen im Saarland und machender Teil der Grünen-Szene habe ich noch sehr gut auch den Saarbrücker Parteitag vom Frühjahr 1980 in Saarbrücken in Erinnerung. Und ich habe meinen Vater zur Diskussion mitgenommen als es um die "Diskussion der Sexualität", der Abschaffung des § 218 ging. "Das war alles Schweinskram und darüber redet man nicht!" - so dessen Einstellung zur Sexualität! Ob Homosexualität, Heterosexualität, alles war tabu und jetzt kam Oswald Kolle und Beate Use mit der Aufklärung! Filme wie "Das Schweigen" wurden von der Kirche verdammt! So gesehen beschreiben sie ihr historisches Apercu der "Grünen-Provokation" richtig, aber wir wollten doch die Gesellschaft verbessern. Aber waren oder sind die damaligen Forderungen falsch? Da schweigen Sie - oder hat die TAZ Ihre diesbezüglichen Aussagen nicht gebracht. Heute wird ein extremer Schindluder getrieben durch die Justiz mit dem § 176 und die Vorgehensweise erinnert stark an die Inquisition des Mittelalters und nicht an Rechtstaatlichkeit eines demokratischen Systems. So empfinde ich es zumindest. Gehören deshalb sogenannte Pädophile nicht mehr zur linken Szene? Sie insinuieren es in ihrem Artikel zumindest so, wenngleich ihr Artikel in der Taz zu plötzlich endet. Die angefügt Karrikatur ist eigentlich unpassend zu den Kernaussagen Ihres Artikels, was ich als Literaturhistoriker zumindest so sehe.
Es würde mich freuen, von Ihnen zu hören,
mit freundlichen Grüßen
"Voltaire"
K13online Anmerkungen
Der reale Name von "Voltaire" ist uns bekannt. Prof. Dr. Reichardt hat auf den obigen Brief bereits an "Voltaire" geantwortet. Diese Antwort wird an dieser Stelle jedoch nicht veröffentlicht.
Wir bitten um einen Hinweis, wenn auch Sie einen Leserbrief an die taz geschrieben haben oder eine EMail an Prof. Dr. Reichardt schreiben wollen. Mit Ihrem Einverständnis würden wir den Text gerne an dieser Stellen publizieren. Vielen Dank!
von K13online am 11.06.2013
Sven Reichardt Authentizität und Gemeinschaft - Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren
»Ganzheitlichkeit« oder »Selbstverwirklichung« – Begriffe wie diese gehören zum typischen Vokabular des linksalternativen Milieus in der Bundesrepublik der 1970er und frühen 1980er Jahre. Sven Reichardt legt eine Kultur- und Sozialgeschichte dieser Lebenspraxis vor und blickt in sämtliche Bereiche: Arbeiten und Wohnen, Sexualität und Körpertechniken, Drogen und Spiritualität sowie Erziehung und Öffentlichkeitsarbeit. Mit einem foucaultschen Instrumentarium analysiert er den komplexen Habitus und deutet ihn als kollektiven Modus der Selbstveränderung. Eine spannende Reise in die jüngste Vergangenheit. http://www.suhrkamp.de/buecher/authentizitaet_und_gemeinschaft-sven_reichardt_29675.html